
Der in den Niederlanden sehr bekannte Innenarchitekt Benno Premsela wurde einmal gefragt, was für ihn in seiner Jugend unter der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft schwerwiegender gewesen sei:
„Sie waren verfolgt und in Gefahr als junger Jude und als junger Homosexueller. Was war schwieriger für Sie?“
„Als Jude wurde ich aufgefangen durch meine Familie“, antwortete Benno Premsela. „Als junger Homosexueller wird man im Prinzip nicht aufgefangen. Um es schwarz-weiß zu sagen: Die Familie kann dich hinauswerfen, weil du homosexuell bist.“
(zitiert nach van Dijk 1997, 174).
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Schwule Söhne und lesbische Töchter stellen Eltern oft vor ein Problem. Gefragt, was sie tun würden, wenn ihr Sohn schwul wäre bzw. was sie anderen empfehlen würden, sind die meisten ratlos. Azize Tank, Migrationsbeauftragte von Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin spielt die Mutter Sevinç, die ihre Freundin um Rat bittet, weil der Sohn schwul ist.
Kinder und Enkelkinder haben sie heranwachsen sehen. Selbstbewusstsein, Lebenserfahrung und Stärke zeichnen diese Frauen aus. Aber bei der Frage, was zu tun wäre, wenn Ümit schwul ist, sind sie ratlos: Ist es angeboren? Gottgewollt? Dann müssen wir es akzeptieren. Kann man es heilen? Woher sollen wir wissen, was zu tun ist – niemand spricht über Homosexualität. Fragen werden gestellt: Wie war Ümit als Kind?, Hat er mit Puppen gespielt?, Hast du ihn oft genug zu den Mädchen geschickt? Azize macht deutlich, dass es nicht die falsche Erziehung ist.
Eine nach der anderen versucht, sich das Undenkbare vorzustellen: Was würde ich tun, wenn mein Sohn schwul wäre? Zur Ratlosigkeit kommt der Schock und Trauer hinzu. Azize Tank bittet die Mütter zu erläutern, warum: Die Familie würde auseinander brechen, die Verwandten würden es nicht akzeptieren. Und der Vater – schlimme Reaktionen befürchtet man von der männlichen Seite. Streit zwischen den Eltern ist zu erwarten. Und plötzlich ist es klar: Wir müssen zu unseren Kindern stehen, egal was die anderen sagen.
Die Atmosphäre ist freundlich, neugierig. Am Ende wollen viele Mütter mehr Informationen haben. Die Broschüren werden den Gästen aus den Händen gerissen. Die Diskussion im Club dauert zwei Stunden. Die Fragen werden die Anwesenden noch lange bewegen.