
64,7% der Bevölkerung sollen der Meinung sein, dass Homosexualität ein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten ist. Die gesellschaftliche Akzeptanz liegt allerdings auf einer anderen Ebene als die Wünsche und Träume, die Eltern bezüglich der Entwicklung ihrer Kinder haben. In einer Studie zur Sexualerziehung stimmten 74% der Eltern und 57% der Lehrer der Aussage zu: „Ich fände es schlimm, wenn meine Tochter oder mein Sohn homosexuell wäre.“
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Die Mitarbeiterinnen waren anfangs nicht begeistert, als ihnen eine Fortbildung zum Thema Homosexualität angekündigt wurde. Sie befürchteten zwei Stunden voller Belehrungen! Stattdessen fanden sie sich in einer hypothetischen Situation wieder, die Raum für ihre Einschätzungen ließ. Sie selbst setzten die Bedingungen der Diskussion, einer gründlichen und ehrlichen Erforschung ihrer Gedanken, Gefühle und Erfahrungen.
80% der anwesenden Frauen waren türkeistämmig. Trotz des Versuches eines der Moderatoren wurde das Thema Islam von den Teilnehmerinnen nicht aufgegriffen. Auch die Rolle der kurdisch-türkischen Kultur wird nicht intensiver verfolgt als die Probleme von Schwulen und Lesben in katholischen und ländlichen Gegenden Europas. (In)Toleranz gegenüber Homosexualität ist nicht spezifisch für den Islam oder die türkisch-kurdische Kultur.
Am liebsten diskutierten die Frauen über ihre eigenen Familien. Einige sind Mütter, mehrere von ihnen haben schwule oder lesbische Bekannte. Andere sagen, sie könnten es akzeptieren, wenn einer ihrer Geschwister homosexuell wäre. Bei der Vorstellung, dass eines ihrer Kinder lesbisch oder schwul wäre, tauchen Zweifel auf: Können sie die Zersplitterung der Träume überwinden, die sie für ihre Kinder haben? Können sie ihren Kindern zuliebe andere Träume erschaffen, auch ohne die Unterstützung von Freunden, Nachbarn oder Familienmitgliedern? Die Frage bleibt theoretisch und daher weit weg, solange nicht der eigene Sohn oder die Tochter die Worte sagt: Ich bin homosexuell.