LSVD


Homosexualität und Migrationsfamilien

Türkische Seniorinnen | Chaotisch-angeregte Atmosphäre


Aufklärungsveranstaltung aus der Sicht einer Ko-Dozentin


Die Einladung, diese Aufklärungsveranstaltung gemeinsam durchzuführen, kam für mich unerwartet. Ich kannte nur den russischsprachigen Kollegen aus einem anderen Seminar. Die türkische Kollegin aber nicht.

Wir bereiteten die Veranstaltung gründlich vor. Aber meine Spannung stieg erst auf dem Weg dorthin. Ich war neugierig, wie die Seniorinnen in dieser türkischen Gruppe reagieren würden und wie ich mich fühlen würde: Wie agiere ich und womit werden wir konfrontiert werden? Schließlich bin ich selbst nicht lesbischlesbisch
Griechisch: von der griech. Insel Lesbos, auf der die Dichterin Sappho um 600 v. Chr. gelebt hat. Um die berühmte Philosophin und Künstlerin Sappho hatte sich ein Zirkel wissenshungriger und begabter Mädchen gesammelt. Früher sprach man daher auch von der "sapphischen Liebe" zwischen Frauen. Heute bezeichnet man die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen als ‘lesbisch’.
, hatte auch nie in der bisherigen Arbeit mit dem Thema zu tun. Kurzzeitig hielt ich es sogar für möglich, dass die Teilnehmerinnen uns beschimpfen, den Raum verlassen oder die Mitarbeit ablehnen.

Dass die Seniorengruppe so aufgeschlossen, so kooperativ war, hat mich sehr angenehm überrascht. Die Teilnehmerinnen waren gesprächsbereit und interessiert. Sie versuchten, einen toleranten weltoffenen Eindruck zu vermitteln. Alle kamen schnell ins Gespräch. Die meisten stimmten überein, dass LiebeLiebe
Nahezu 60 % der Schwulen leben in einer festen Beziehung mit einem Mann. Bei Lesben ist der Trend zu festen Bindungen noch ausgeprägter. Zweidrittel der Lesben leben in Zweierbeziehungen. Eine Partnerin zu haben, steht bei den Wünschen fürs Leben ganz oben auf der Liste. Unter Schwulen und Lesben besteht eine ausgeprägte Tendenz, feste Freundschaften einzugehen. Ein beträchtlicher Teil der schwulen Paare versteht sich als monogam. Recht häufig findet man bei Männern aber auch den Typus der "offenen Beziehung", die Sexualkontakte neben dem festen Freund relativ undramatisch zulässt. In diesen Beziehungen legt man mehr Wert auf seelische denn auf sexuelle Treue.
von sexueller Orientierung unabhängig ist. Sie wollten ihren Angehörigen mit Toleranz und Unterstützung zur Seite stehen. In ihrer Gruppe sei das Thema kein Tabu.

Es wurden Erfahrungen ausgetauscht, da kannte man schon jemanden, der betroffen war. Und bei der Frage: „Was wäre, wenn mein Kind homosexuell ist?“ überraschte mich die fast schon kämpferische Unterstützung für die Angehörigen, die die Frauen zum Ausdruck brachten.

Doch trotz aller Gesprächsbereitschaft sind die Frauen immer wieder auf ihr Lieblingsthema zurückgekommen: die fehlende Anerkennung, die sie als Migrantinnen in Deutschland erlebt haben. Vielleicht ist ja die Erfahrung, auch diskriminiert zu sein, ein guter Ansatzpunkt, um ins Gespräch zu kommen? in dieser Gruppe jedenfalls wollten alle reden und das am liebsten gleichzeitig. Es war eine chaotisch-angeregte Atmosphäre. Ich kenne dieses Temperament. Aber ich hatte es nicht bei diesem Thema erwartet. Wir wurden sogar zu weiteren Gesprächen eingeladen.