LSVD


Homosexualität und Migrationsfamilien

Perspektivwechsel | Mal auf der anderen Seite sein


Fortbildungsworkshop aus der Sicht einer Ko-Dozentin


„Es hat richtig gut getan, mal auf der anderen Seite zu sein“, sagt eine Dozentin aus der Migrationsarbeit am Ende unseres Workshops. Sie ist während des Trainings in die Rolle einer streng orthodoxen russischen Großmutter geschlüpft und spielt sie sehr überzeugend.

„Nix da, nix da, Schwulsein ist und bleibt eine SündeSünde
Die Katholische Amtskirche hält an ihrer Ablehnung von Homosexualität fest. Allerdings betont selbst der Vatikan, es sei "nachdrücklich zu bedauern, dass homosexuelle Personen Objekt übler Nachrede und gewalttätiger Aktionen waren und weiterhin noch sind."
In den Evangelischen Kirchen ist die Diskussion viel weiter. Zwar gibt es auch dort noch Stimmen, die Homosexualität als Verstoß gegen "Gottes Wort" betrachten. Die Tendenz geht aber in eine andere Richtung. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich ausdrücklich von "zwei Jahrtausenden schlimmster Verfolgungen homosexuell liebender Menschen durch die Kirche" distanziert und beschlossen, "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Pfarrerinnen und Pfarrer wegen ihrer Homosexualität nicht zu benachteiligen".
Im Islam gibt es keine vergleichbare theologische Diskussion über Homosexualität. Die konventionelle islamische Bewertung von Sexualität geht von einem klaren Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern aus: männliche Dominanz und weibliche Unterordnung. In der orthodoxen Koran-Auslegung gilt Homosexualität als Sünde, als Verstoß gegen die göttliche Ordnung. Viele Muslime verstehen den Islam aber als eine tolerante Religion. Der individuelle Gott kann gnädiger sein, als mancher Imam verkündet. In einer Radiosendung drückte das ein junger Schwuler türkischer Herkunft so aus: "Also ich weiß, dass der Islam sehr tolerant ist und ich denke mir, dass da auch ein Platz für Schwule sein kann."
, ich würde meinen Enkel rauswerfen, wenn er zuhause mit Männern ankäme!“ behauptet sie mit kräftiger Stimme. Im wahren Leben allerdings lebt sie offen lesbischlesbisch
Griechisch: von der griech. Insel Lesbos, auf der die Dichterin Sappho um 600 v. Chr. gelebt hat. Um die berühmte Philosophin und Künstlerin Sappho hatte sich ein Zirkel wissenshungriger und begabter Mädchen gesammelt. Früher sprach man daher auch von der "sapphischen Liebe" zwischen Frauen. Heute bezeichnet man die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen als ‘lesbisch’.
und verheimlicht ihrer Zielgruppe ihre wirkliche Identität nicht - Jugendlichen, die aus allen Teilen dieser Erde kommen. Viele unter ihnen halten HomosexualitätHomosexualität
Homosexualität ist Liebe und Sexualität, die zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerinnen oder Partnern gelebt wird. Homosexualität ist ein Aspekt der äußerst vielgestaltigen menschlichen Sexualität. Homosexualität ist den Schwulen und Lesben so selbstverständlich wie der Bevölkerungsmehrheit die Heterosexualität. In allen Kulturen und Epochen der Weltgeschichte findet man Menschen, deren Gefühle und sexuelle Wünsche sich auf das eigene Geschlecht richten. Homosexualität bedeutet nicht nur Sex, sondern vor allem lieben und geliebt werden. Homosexualität gehört zu den Möglichkeiten des Menschengeschlechts. Erklärungsbedürftig ist somit nicht die Homosexualität. Erklärungsbedürftig ist vielmehr, warum in unserer Gesellschaft immer noch viele Menschen Schwule und Lesben verachten und anfeinden.
für „eklig“, obwohl es natürlich auch unter ihnen schwule oder lesbische Beziehungen gibt.

Die meisten Teilnehmenden am Workshop äußern sich nicht zu ihrer sexuellen Identität. Alle kommen aus der Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen und empfinden das Thema HomosexualitätHomosexualität
Homosexualität ist Liebe und Sexualität, die zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerinnen oder Partnern gelebt wird. Homosexualität ist ein Aspekt der äußerst vielgestaltigen menschlichen Sexualität. Homosexualität ist den Schwulen und Lesben so selbstverständlich wie der Bevölkerungsmehrheit die Heterosexualität. In allen Kulturen und Epochen der Weltgeschichte findet man Menschen, deren Gefühle und sexuelle Wünsche sich auf das eigene Geschlecht richten. Homosexualität bedeutet nicht nur Sex, sondern vor allem lieben und geliebt werden. Homosexualität gehört zu den Möglichkeiten des Menschengeschlechts. Erklärungsbedürftig ist somit nicht die Homosexualität. Erklärungsbedürftig ist vielmehr, warum in unserer Gesellschaft immer noch viele Menschen Schwule und Lesben verachten und anfeinden.
in ihrer Arbeit als ein extremes Tabu. Wer öfter „Iiiihh, schwulschwul
Von schwül = drückend warm. Zunächst abschätzige Bezeichnung für "homosexuell", heute positiv verwendete Selbstbezeichnung von Homosexuellen. "Ich bin schwul und das ist auch gut so", sagte Klaus Wowereit 2001 bei seiner Wahl zum Bürgermeisterkandidaten mutig und selbstbewusst in der Öffentlichkeit. Damit nahm er möglichen Verleumdern den Wind aus den Segeln.
, igitt, du Schwuchtel“ hören muss - Äußerungen, die vor allem in der Arbeit mit Jugendlichen zum Alltag gehören – dem fällt es schwer, um Verständnis und Respekt für Homosexuelle zu werben.

Ganz besonders aber treffen solche abfälligen Bemerkungen Dozenten/innen aus der sozialen Arbeit, die selbst lesbischlesbisch
Griechisch: von der griech. Insel Lesbos, auf der die Dichterin Sappho um 600 v. Chr. gelebt hat. Um die berühmte Philosophin und Künstlerin Sappho hatte sich ein Zirkel wissenshungriger und begabter Mädchen gesammelt. Früher sprach man daher auch von der "sapphischen Liebe" zwischen Frauen. Heute bezeichnet man die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen als ‘lesbisch’.
oder schwulschwul
Von schwül = drückend warm. Zunächst abschätzige Bezeichnung für "homosexuell", heute positiv verwendete Selbstbezeichnung von Homosexuellen. "Ich bin schwul und das ist auch gut so", sagte Klaus Wowereit 2001 bei seiner Wahl zum Bürgermeisterkandidaten mutig und selbstbewusst in der Öffentlichkeit. Damit nahm er möglichen Verleumdern den Wind aus den Segeln.
sind. Mich überraschte, wie hilflos man sich fühlen kann, wenn man doch eigentlich vom Fach ist und professionell reagieren sollte. Auch ich war hilflos angesichts dieser Unsicherheit – wenn man nicht weiß, wie die Kolleginnen und Kollegen sich verhalten würden.

Bei diesem Workshop aber verstand ich auch mal wieder die große Kraft, die im Erfahrungsaustausch steckt. Sich mit anderen vernetzen, das Befreiende am Rollenwechsel erleben, die Reaktion von anderen sehen und daraus lernen können, sicher aber auch nicht mit der Ratlosigkeit allein zu fühlen – dafür haben wir uns den Raum in dem Workshop gegeben. Und ich glaube, dass das auch genau das Richtige für die Teilnehmerinnen war. Schließlich sind sie die Experten für ihre jeweiligen Arbeitsfelder. Und nur sie können die konkreten Fragen für ihre Praxis formulieren und entscheiden, welche Lösungen sie ausprobieren wollen und können.