„Es ist falsch zu behaupten, dass Moslems nicht Homosexuelle sein können“
"Muhsin, du bist offen schwul. Wie wird man da zum Leiter einer muslimischen Gemeinde?"
Muhsin Hendricks (38): Die schwullesbische Gruppe „The Inner Circle“ hat mich zu ihrem Imam gewählt. Außerdem war mein Großvater Imam, und mein Vater war auch ein religiöser Leiter. So was wird in muslimischen Zusammenhängen oft vererbt. In einer offiziellen Moschee würde ich aber wohl kein Imam sein dürfen.
"Wie reagieren orthodoxe Moslems auf einen schwulen Imam?"
Sie vermeiden mich. Oder sie sagen, dass es eine unmögliche Kombination ist. Dann sage ich ihnen: „Liefert mir Beweise aus dem Koran!“ Aber das können sie nicht.
"Und liberale?"
Sie diskutieren mit mir, aber nicht öffentlich. Sie sind sehr vorsichtig, aber ich bekomme häufig unterstützende Emails. Es ist wichtig, dass Leute erkennen, dass es unterschiedliche Richtungen innerhalb des Islams gibt. Und, dass der Islam eigentlich auf Logik und auf „Ijtihad“ – also auf individueller Deutung gegründet ist. Jeder muss seinem eigenen Verstand vertrauen. Er ist ein Geschenk und eine Kraft von Gott.
"Homosexualität wird immer noch in mehreren moslemischen Ländern mit Gefängnis, Auspeitschen oder Todesstrafe bestraft.
Hast du keine Angst?"
Doch, manchmal. Dann singe ich, um meine Ruhe zu bewahren. Zum Beispiel „Enough is God for us. In God we trust.“ (Hendricks schweigt einen Moment. Dann lächelt er mich an.) "Im Islam heißt es, dass ein Mann 70 Jungfrauen bekommt, wenn er zum Märtyrer wird und in den Himmel kommt. Ich rechne dann mit 70 Männern."
